Thematisch

Das Leitwort

„Ich bin da“ – so lautet das Leitwort des 105. Deutschen Katholikentags 2028 in Paderborn. Auf den ersten Blick eine ganz einfache Aussage. Doch ist es eine Aussage, die vor dem Hintergrund ihres biblischen Kontextes als eine ganz besondere Zusage zu lesen und zu verstehen ist: am Berg Horeb ist es die große Zusage Gottes an Mose (Exodus 3,14).

Zu Beginn des dritten Kapitels im Buch Exodus treffen wir Mose als Hirten an, der das Vieh seines Schwiegervaters weidet und so an den Gottesberg Horeb gelangt. Der Dornbusch, der dort zu brennen scheint, aber dabei doch nicht verbrennt, lässt ihn neugierig werden. So nähert er sich diesem „brennenden Dornbusch“ und wird von Gott gerufen, wird mit seinem Namen angesprochen. Diesem Ruf Gottes an Moses schließt sich die erste von vier Auslegungen des Gottesnamen im Buch Exodus an.

Als „der Gott [s]eines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ stellt er sich Mose vor, bevor er ihn mit seiner neuen Aufgabe – die Israeliten aus Ägypten herauszuführen und damit aus der Sklaverei zu befreien – betraut. Es ist eine gewaltige Aufgabe, die Mose da vor sich sieht und so geht er ins Zwiegespräch mit dem Gott seiner Väter.

Auf seine erste Frage, „Wer bin ich, dass ich [dies] […] könnte?“, erhält er eine erste Zusage Gottes: „Ich bin mit dir“. Doch diese Zusage löst noch nicht alle Zweifel Moses auf, so dass er eine zweite Frage anschließt: „Da werden sie [die Israeliten] mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen sagen?“

„Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich anrufen von Geschlecht zu Geschlecht.“

Es sind nicht unbedingt vertraute Formulierungen, die hier in der Einheitsübersetzung für diese Auslegung des Gottesnamen gefunden werden – auch wenn man andere Übersetzungen zur Hand nimmt, finden sich nicht unbedingt alltägliche Worte, so übersetzt die Lutherbibel beispielsweise mit „Ich werde sein, der ich sein werde“. In der Neuen Genfer Übersetzung werden direkt mehrere Möglichkeiten benannt: „Ich bin der, der ´da`ist.“ / „Ich bin, der ich bin.“ / „Ich werde sein, der ich sein werde.“

Die Formulierung könnte auf eine theologische Textdeutung des Gottesnamen als Form des hebräischen Verbes „hajah / sein, werden“ zurückzuführen sein. Daraus ergeben sich tiefere Bedeutungen, die sich mit einer kurzen Übersetzung kaum ausreichend abbilden und vermitteln lassen: das Verb vermittelt eine Form des Gegenwärtig-seins, verbunden mit Wirksamkeit und hilfreicher Anwesenheit.

So vertieft sich die Zusage Gottes an Mose.

Das für den Katholikentag Paderborn gewählte Leitwort ist also kein direktes Zitat aus der Einheitsübersetzung, doch schlägt man die Gute Nachricht Bibel auf, so ist in Exodus 3,14 zu lesen: „Gott antwortete: ‚Ich bin da‘, und er fügte hinzu: ‚Sag zum Volk Israel: ›Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt‹‘“.

Mit dieser Selbst-Aussage beginnt eine unverbrüchliche Beziehung – grundgelegt in der Vergangenheit als „Gott eurer Väter“, ausgerichtet auf die Befreiung aus der Sklaverei und als Zusage für alle kommenden Generationen.

Und es ist diese Zusage, die es Mose ermöglicht den Auftrag Gottes, der ihm nicht nur groß, sondern vielleicht sogar zu groß erscheint, anzunehmen. Sie bestärkt ihn nicht nur in diesem Moment der Begegnung selbst, sondern sie ermöglicht etwas Bleibendes, das gerade auch auf Zukunft hin tragen kann.

Die Zusage erfolgt in diesem Moment der Begegnung zwischen Gott und Mose, sie erfolgt im Gespräch der beiden miteinander und schenkt Mose auf diese Weise (neue) Zuversicht. Diese Zusage gilt allen Menschen, über Zeiten und über Orte und über Nationen hinweg. Gott ist da, Gott ist präsent und Gott ist mitten unter den Menschen. Somit kann Gottes Zusage am Horeb uns noch heute, mehr als über zweitausend Jahre später und viele Reisestunden vom Ort des Geschehens entfernt, zur Quelle der Zuversicht werden.

Sie kann auch uns heute neues Zutrauen fassen lassen: für unsere Begegnungen und unsere Gespräche, für die Alltagsmomente, die großen ebenso wie die vermeintlich kleinen.

Die Zusage kann bis heute Quelle der Zuversicht werden, gerade auch für die uns anvertraute Aufgabe, befreiende Kraft zu sein und von der bestärkenden Zusage Gottes Zeugnis abzulegen. Auch uns spricht Gott zu: „Ich bin da.“

Charlotte Dietrich, Abteilungsleiterin Theologie und Glaube im ZdK Generalsekretariat



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